Daten & Fakten

Konversion, Neubau, Städtebau „Bilker Höfe“, Innerstädtisches Mehr-Generationen-Wohnen

Bauherr: Wohnimmobilie Färberstraße GmbH + Co. KG

Ort: Düsseldorf

Generalplanung:

Nutzung: Wohnen

Wohneinheiten: 219, Quartiersgarage

Bruttogeschossfläche: 35700 m²

Fertigstellung: 2013

DGNB Zertifikat Gold

Quartier Bilker Höfe, Färberstraße, Düsseldorf

Als der Königliche Bauinspektor C. Guinbert Ende des 19. Jahrhunderts die Bauleitung ei-nes Garnisons-Lazaretts an der Färberstraße übernahm, entstand eine streng gegliederte Anlage, die durch vier freistehende Baukörper einen Hof bildete. Von diesen Gebäuden blieb nur ein zweigeschossiges Verwaltungsgebäude mit einer strengen mehrfarbigen Ziegelfassade erhalten. Als Urheber des seit 1990 denkmalgeschützten Baus wird der Berliner Schinkel-Anhänger Martin Gropius vermutet. Das steinerne Gedächtnis und die wilhelminische Strenge der historischen Gesamtanlage dienten als Vorbild für die städtebauliche Struktur des Quartieres, zugleich aber auch als Referenz für die gestalterische Ausbildung und Proportionierung der Neubauten und ihrer Fassaden. Inspiriert durch die Hofform des ursprünglichen Lazarettkomplexes bilden die Neubauten großzügig begrünte, neue Quartiersplätze aus. Diese „Grünen Räume“ variieren von Nord nach Süd im Grad ihres öffentlichen oder eher privaten Charakters. Der größte Quartiersplatz wird zum „Grünen Herz des Quartiers“. Mit seinen unterbrochenen Blockrändern bildet er die Verbindung des neuen Viertels zum Stadtraum aus. In der Sichtachse platzierte Bäume, Sträucher und Grünanlagen laden Bewohner wie Passanten zur Erholung ein. Die Freiraumqualität wird zusätzlich dadurch gesteigert, dass alle PKW-Stellplätze, aber auch die Müllentsorgung der Wohngebäude komplett in den Untergrund des Quartiers verlegt werden konnten. Auch die Geschossanzahl der einfassenden Neubauten wurde in Abhängigkeit vom jeweiligen Gebäudekontext variiert: Im Norden, in Flucht der Färberstraße, wird die Bebauung von fünf auf drei Vollgeschosse abgestaffelt. Respektvoll orientieren sich die neben dem Denkmal liegenden Neubauten an dessen Traufhöhe. Der südliche Grundstücksteil greift dagegen die Höhe des Sockels auf und liegt höher als der Platz im Norden. Dadurch wird im Südteil eine Zone größerer Vertrautheit geschaffen, ideal nutzbar etwa als Spielfläche für Kleinkinder. Der Übergang vom Freiraum zur privaten Haustür ist dabei fließend. Die architektonische Qualität der Fassaden orientiert sich ebenfalls am Bestand des Denkmals: Die klassisch verputzten, teils weißen, teils dezent-farbigen Fassadenflächen, deren strenge horizontale Gliederung durch ein durchgängiges Gesims unterstrichen wird, sind durch einen vom Bestand hergeleiteten, charakteristischen Ziegel-Sockel ergänzt. Die Fensterlaibungen sind zudem durch ornamental gestaltete Absturzsicherungen zurückhaltend geschmückt. Das Aufgreifen und Interpretieren historischer Gestaltmittel dient der Identitätsbildung – auf lange Sicht fördert es die positive Haltung der Bewohner zu „ihrem“ Quartier.

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